Herbert Freiherr von Richthofen war ein Angehöriger der Familie von Richthofen, der als Diplomat im kaiserlichen Deutschland, während der Weimarer Republik und im Dritten Reich Dienst tat.

Herbert Freiherr von Richthofen
 
(*7. Juni 1879 in Strehlen/Schlesien; †25. Dezember 1951 in Samara (Kuibyschew)/Russland) war ein Angehöriger der Familie von Richthofen, der als Diplomat im kaiserlichen Deutschland, während der Weimarer Republik und im Dritten Reich Dienst tat. Nach zahlreichen Verwendungen an verschiedenen deutschen Außenvertretungen und im Berliner Auswärtigen Amt war er zuletzt von 1939 bis 1941 Leiter der Gesandtschaft in Sofia. In diese Zeit fiel u.a. der Beitritt Bulgariens zum sog. Dreimächtebund (Deutschland, Italien, Japan). An Richthofens Rolle als ranghöchstem deutschen Diplomat in Sofia wird deutlich, in welchem Zwiespalt sich die Diplomaten befanden, die ihre Prägung noch im Kaiserreich erfahren hatten. Einerseits als loyale und national gesonnene Beamte auch dem NS-Regime verpflichtet, dessen Ziele und Wertvorstellungen jedenfalls in Teilen mitgetragen wurden, andererseits mit einem Sinn für politischen Weitblick, Diplomatie und Augenmaß, das nicht den Vorstellungen der regierenden NS-Elite entsprach. So wurde Herbert v. Richthofen auf seinem letzten Posten als Gesandter in Sofia 1941 durch den SA-Mann Beckerle ersetzt. Im Mai 1945 wurde er vom sowjetischen KGB wie viele andere aktive und vormalige deutsche Diplomaten gefangen genommen und in der Sowjetunion wegen „Vorbereitung und Führung eines Angriffskrieges“ zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Herbert v. Richthofen starb in der Gefangenschaft im Dezember 1951. Die Einleitung eines Rehabilitierungsverfahrens wurde von den russischen Behörden im Juni 2010 pauschal abgelehnt; vermutlich in Kenntnis der 2011 veröffentlichten Protokolle des sowjetischen Geheimdienstes über die Vernehmung zahlreicher deutscher Diplomaten in den Jahren 1944-1955. Dabei machen gerade diese Protokolle die Rollen und auch die Verstrickungen der einzelnen deutschen Diplomaten im NS-Regime sichtbarer und lassen insbesondere eine Antwort auf die Schuldfrage auch und gerade im Einzelfall deutlich differenzierter geben. Einen Beitrag hierzu leistet der Aufsatz von Dr. Harald von Kalm - Herbert v. Richthofen (1879-1951) – ein Diplomat im Auswärtigen Dienst des Deutschen Reichs.
 
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